Yoga – was ist es und wo kommt es her?

Anfang des Jahres haben wir euch die Fitnesstrends 2019 kurz und knackig vorgestellt. Was Yoga eigentlich bedeutet und genau ist erfahrt ihr nun in diesem Artikel

Yoga ist vor über 3500 Jahren in Indien entstanden. Es ist ein Übungsweg zur Vereinigung und in Einklang bringen von Körper, Geist und Seele. Dieser Übungsweg gliedert sich in einen achtfachen Pfad an dessen letzter Stufe Samadhi steht– ein Zustand höchster Glückseligkeit und Versunkenheit, spiritueller Selbstverwirklichung durch Befreiung des Selbst. Dieser achtgliedrige Pfad beruht auf einem der wichtigsten Quellentexte des Yogas, den Yoga-Sutras, verfasst von dem gelehrten Inder Patanjali.

Die Yoga-Sutras gelten heute als Leitfaden für viele Yogaschulen und Traditionen. Der Pfad gliedert sich dabei in folgende Stufen auf: Die erste Stufe, genannt Yama, umfasst den achtvollen Umgang mit Anderen die zweite Stufe, Niyama, beinhaltet den liebevollen Umgang mit sich selbst und der Selbstreinigung. Beide Stufen werden wiederum in fünf Unterpunkte differenziert, die nicht nur die Anwendung im alltäglichen Leben beschreiben, sondern eine Art Gebote für die geistige Haltung darstellen, die der yogischen Lebenseinstellung als Grundlage dienen. Es folgt die dritte Stufe Asana, der physische Teil des Yoga, in dem die verschiedenen Haltungen ausgeführt werden und in der westlichen Welt, die wohl zugänglichste und meist geübte Stufe des achtfachen Pfades ist.

Übersetzt heißt der Wortstamm „As“ „Sitzen“ oder „Haltung“, denn ein aufrechter Sitz war Ziel der Asana-Praxis. Ursprünglich dienten Asanas dazu lange in der Meditation sitzen zu können, was ein hohes Maß an Beweglichkeit und Flexibiltät voraussetzt. Erst später wurden die Haltungen und ihre therapeutischen Grundlagen, die heute unter Asanas bekannt sind, entwickelt. Auch die vierte Stufe des Pfades Pranayama, in der es um den Atem als Träger der Lebensenergie Prana geht, kann enorme Wirkungen auf das Wohlbefinden haben. Die fünfte Stufe wird als Pratyahara bezeichnet und beschreibt das Zurückziehen der Sinne für Konzentrations- und Meditationstechniken zur Vorbereitung auf die letzten drei Stufen. Diese ersten fünf Stufen werden als Kriya Yoga bezeichnet und fassen den praktischen Teil des Yogas zusammen.

Es folgt die sechste Stufe Dharana, die dazu befähigen soll den Geist auf einen Gegenstand auszurichten. Hier ist der Geist ganz fokussiert und aus Dharana entwickelt sich bei „richtiger Anwendung“ Dhyana, die siebte Stufe des Pfades. Samadhi stellt die achte Stufe und Ziel des Pfades und eines Yogapraktizierenden dar. Dhyana als vorhergehende siebte Stufe kann auch als Meditationsteil bezeichnet werden. Die letzten drei Stufen werden unter Raja Yoga zusammengefasst und beschreiben den königlichen Yogaweg, dessen Ausführung im Inneren erfolgt und die Verfolgung daher nicht so einfach ist wie die ersten fünf Stufen des Kriya Yoga.

Yoga hat über die Jahrhunderte immer wieder Wandlungen und neue Entwicklungen in seiner Methodik durchgemacht. So gibt es heute viele verschiedene Yoga-Schulen, alle aber haben ihre Ursprünge in der ersten Hatha-Yogaschule des Yoga-Gurus Krishnamacharya, der auch als „Vater des modernen Yoga“ bezeichnet wird. So gibt es heute Yoga-Formen wie Ashtanga, in der eine bestimme, physisch anspruchsvolle Reihenfolge an Asanas praktiziert wird, Iyengar-Yoga, das Yoga als Heilmittel versteht und dessen Begründer B.K.S. Iyengar Schüler von Krishnamacharya war und einen großen Teil dazu beitrug, dass Yoga im Westen so bekannt wurde. Auch Yin Yoga oder restorative Yoga, die beide einen meditativen und entspannenden Charakter haben, sind eine bekannte Yogaform.

Der Ursprung Hatha-Yoga beschreibt eine sanfte Form des Yogas, bei der Asanas sehr lange gehalten werden. Letzen Endes unterscheiden sich die Schulen aber nur in kleinen Abweichungen in der Ausrichtung der Asanas, die sich durch die unterschiedlichen Ansätze der Schulen erklären lassen, der Umfang und Inhalt der Asanas ist aber bei Allen der Gleiche (wir haben die verschiedenen Formen natürlich im Programm, sodass ihr euch einfach selbst ein Bild davon machen könnt ;)) . Die indoeuropäische Sprachwurzel Yui, von der Yoga abgeleitet ist, bedeutet übersetzt übrigens „anschirren, verbinden, zusammenführen“ und im weiteren Sinn Vereinigung, was sich auf die Vereinigung von Körper, Geist und Seele bezieht. Das Hauptziel den Geist zur Ruhe kommen zu lassen, indem der Fokus ganz auf das Hier und Jetzt und die Sinneswahrnehmung gelegt wird, ist auch heute noch genauso wichtig wie zu Ursprungszeiten. Es beruht auf der Annahme, dass der Mensch in seinem Alltagsbewusstsein keinerlei Verbundenheit von Körper, Geist und Atem erfährt, da jedes Element ohne Beachtung des Anderen seiner Aufgabe gewidmet ist.

Nach der Lehre des Yoga kann jeder Mensch sein eigenes Handeln und damit auch Leben durch sein Denken selbst bestimmen. Durch ein Zurückziehen der Sinne und das Verweilen in der Gegenwart wird es möglich die Wahrnehmung und das eigene Bewusstsein zu beeinflussen. Achtsamkeit, Körperarbeit, Gedankenlenkung als auch Üben des Nichtbewertens von Dingen, anderen Menschen, und vor allem aber auch sich selbst sind dabei Methoden des Yoga, die dem Menschen helfen sollen sich selbst und Anderen näher zu kommen und heute sogar in der Psychotherapie verwendet werden. Kein Wunder also, dass wir uns nach einer Yogastunde so viel besser fühlen und die ganze Welt umarmen wollen!

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